Das Gesundheitszentrum

Jürgen Schmidt, Hohwacht
14. Juni 2017

Der untere Beitrag ist fast ein Jahr alt. Inzwischen hat die Gemeinde weiter geplant. Beim Zentrum selbst soll die ärztliche Steuerungsfunktion zurück treten. Die Gäste erhalten eine Chipkarte für die Steuerung ihrer Fitnessübung, das Zentrum soll um eine Lounge und eine grüne Küche ergänzt werden. Es besteht die Absicht, den örtlichen Räucherfischhändler (und Gemeinderatsmitglied) einzubinden.

Knackpunkt bleiben die Finanzen ( Rentabilitätsberechnungen defizitär ) und die Frage, wohin mit der Sole-Wärme in Sommer. Diese beträgt allerdings nur ca 40 Grad C,  zu wenig, um direkt in anderweitige Beheizungen umgesetzt zu werden.

 

Mit der Machbarkeitsstudie zum “ Wärmenetz“ ( 80 seitige Textfassung  übersendet die Gemeinde auf Anforderung ) wird der Anschluss eines Blockheizkraftwerkes vorgeschlagen, mit dem aus überschüssiger Wärme Strom erzeugt werden kann, wobei die Primärwärme aus der Sole nur einen Anteil liefert. Voraussetzung für die Realisierung ist eine weitgehend geschlossene Teilnahme ganzer Viertel, mindestens der Hälfte der Hohwachter Häuser. Gestehungskosten für Wärme ca 7 ct / kwH , Strom ca 20 ct / kwh. Mit Gas heizt man individuell günstiger. Strompreis wäre derzeit konkurrenzfähig, aber bei Strom aus Windenergie haben wir eigentlich ein Überangebot. Der Abnehmerpreis der Versorger ist zudem künstlich hoch durch Sonderabgaben für die Energiewende.. Die Frage nach der zukünftigen Konkurrenzfähigkeit des Stromangebotes aus dem Hohwachter BHK letztlich also offen.

Die Gemeinde redet bei der Regelung der Abnahme und Erzielung eines kompletten Anschlusses ganzer Viertel ( mindestens der Hälfte aller Hohwachter Häuser )  von „Quartierssanierung“. Ob dabei an Zwangsmaßnahmen gedacht wird, wurde bislang nicht beantwortet.

 

Das Gesundheitszentrum. O „Sole“ mio!

von Jürgen Schmidt, Hohwacht
20. August 2016

jungbrunnen

Vorweg sei – jegliche Beurteilung einschränkend – angemerkt, dass sowohl speziell Hohwacht betreffende, als auch allgemeine touristische Befragungen zum Bedarf eines solchen Zentrums fehlen.

Gleichwohl kann man aus den vorhandenen Daten zur Gästestruktur, Aufenthaltsdauer und allgemein nachvollziehbaren Überlegungen einige Aussagen treffen.

Dazu hat der Autor während der Beschäftigung mit diesem Thema und mit wachsendem Kenntnistand vier Briefe mit verschiedene  Schwerpunkten an die Gemeinde geschrieben, die von einigen Gemeinderatsmitgliedern als beachtenswert eingestuft, vom Bürgermeister nur mit Unmut und ohne Gegenargument registriert worden sind.

Das Projekt aus Fitness- und wohl auch einigen Wellnesseinrichtungen, gesteuert von einer Arztpraxis, die auch der Versorgung der Bevölkerung dienen soll, ist auf dem alten Schwimmbadgelände, einem Filetstück geplant, Kosten ca 4.6 Mill. €.

Als Clou wurde eine Geothermiebohrung bis zu 1100 m Tiefe angedacht, mit der man das Zentrum und anliegende Abnehmer versorgen will.

Dabei erwartet man ebenfalls den Gewinn von Sole, dessen Vermarktung für Bäder, Inhalationen, Trinkkuren dem Ort ein Alleinstellungsmerkmal verleihen soll.

Von den  einzelnen  in der Machbarkeitsstudie kalkulierten Kosten- und Einnahmenblöcken sollen nur jene betrachtet werden, die als Entscheidungskriterien gelten können.

Für die Gesamtkosten von 4,6 Millionen bringt die Gemeinde das Grundstück, sowie 100.000.- ein und muss trotz Zuwendungen und angestrebter Ausfallbürgschaft für die Bohrung ein Darlehen von € 1,6 Millionen aufnehmen

Durchweg sind die Investitionen sehr knapp kalkuliert, die Einnahmen um so optimistischer .

11.000 Gäste jährlich, die täglich im Schnitt 15,12  € zahlen sollen, wobei als Summe aus vorläufiger Kalkulation 166.000.-  erwartet werden. Trotz dieser optimistischen Annahmen einer Nutzerfrequenz von 11.000 jährlich wird – bei voll  laufendem Betrieb – das jährliche Defizit ca € 325.000.-  betragen. Um dieses auszugleichen müssten zusätzlich ca 20.000 Nutzer angeworben werden oder kompensatorische Einnahmen vorhanden sein.

Es lohnt sich – weil es ein bezeichnendes Licht auf das gesamte Wunschgedankengebäude wirft, das Nutzerpotential eines Medizinischen Gesundheitszentrums anhand vorhandener  statistischer Daten zu beleuchten.

 Hierzu  aus dem dritten Brief des Autors an die Gemeinde zum Nutzerpotential  :

Ich hatte bereits in früheren Schreiben dargelegt, weshalb mir eine prospektiv angelegte und auf  das Interesse an Gesundheitsangeboten ausgerichtete Erhebung zu Gästezahlen und Struktur .- und zwar  in gehobenen Einrichtungen – unverzichtbar erscheint. Diese hätte vor der Inauftraggabe der Machbarkeitsstudie vorliegen müssen. Jede retrospektive Betrachtung ist ungenau.

Jedoch sei zunächst  ein Blick auf die Ermittlung des Nutzerpotentials ( 9.1.4) Seite 141-142 geworfen, die mit der Schätzung eines Nutzerpotentials von 11 Tausend p.a nicht endet, sondern zusätzliche unerklärliche Steigerungen prognostiziert.

Dieser Berechnung stehen solide Zahlen aus der amtlichen Tourismusstatistik für Hohwacht , gegenüber. In Beherbungsbetrieben von mehr als 10 Betten (!)  wurden im Jahre 2015 eine Zahl der Ankünfte von 35.274 mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 3,7 Tagen im Jahresdurchschnitt ermittelt.

Auf die Monate Juli und August entfallen 10412 Urlauberankünfte mit einer Aufenthaltsdauer von 4,8,. bzw 4,9 Tagen.
Im Juni kamen 4194 Gäste an, Aufenthalt 3,9 Tage, im September 3670, Aufenthalt 4,2 Tage.
Zählt man den halben Juni und September zur Hauptsaison, so ergeben sich ca 14.000 Gäste in der Hauptsaison.

Soweit man davon ausgehen kann, dass sich die Gäste in der Hauptsaison den klassischen Urlaubsfreuden eines Seebades hingeben und weniger an schweißtreibenden Geräteübungen interessiert sind, errechnen sich für die  übrige Zeit des Jahres (Nebensaison)  insgesamt 21.000 Gäste, davon nach einer älteren Erhebung der Hohwachter Tourismus GmbH 28 % zwischen dem 55ten und 75ten Lebensjahr,  unter der sich die  Zielgruppe für  einen Gesundheitstourismus befinden, mithin ca 6000 Gäste, die durchschnittlich ca 3,5 Tage anwesend sind.

Aus dieser Gruppe ist – unter Berücksichtigung der Aufenthaltsdauer – das Nutzerpotential abzuschätzen.

gesundheitszentrum

Bei der aus dem Marketing entlehnten  Betrachtung der Machbarkeitsstudie unter dem Aspekt eines angeblichen Megatrends namens LOHAS lassen sich 10-30 % der genannten Altersgruppe als eigentliche Zielgruppe annehmen, maximal also 600 bis 1800 Gäste, die als mehr oder weniger wahrscheinlich zu erwartende Lohas affine Nutzer des Gesundheitszentrums eingeschätzt werden können. Selbst wenn man die doppelte oder dreifache Zahl erhofft, kommt man nicht auf die Nutzerzahlen und Erträge, die die Machbarkeitsstudie unterstellt, zumal die gegenwärtige durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 4-5 Tagen für ein Gesundheitsprogramm völlig unzureichend ist. Wahrscheinlich  müssen die Nutzer eines Gesundheitszentrums komplett neu als Gäste gewonnen werden.

Was passiert mit dem Gemeindehaushalt und dem Schuldenstand , wenn das Defizit in den Anlaufjahren € 100.000 höher ausfällt ? Da kommt nun kompensatorisch der erwartete Verkauf von Geothermiewärme und die Sole ins Spiel.

Hierzu hat der Autor mit seinem vierten Brief an die Gemeinde eine Einschätzung versucht, im folgenden auszugsweise der Abdruck:

Die Einrichtung einer Arztpraxis mit Steuerungsfunktion für die Teilnehmer an Fitness- und anderen Gesundheitsprogrammen, sowie die Anwendung von Sole sind die beiden Faktoren, die das Vorhaben von einem beliebigen Fitnesscenter unterscheiden und die Bezeichnung Gesundheitszentrum rechtfertigen sollen.

 

Mit einem ärztlich individuell empfohlenen Fitnessprogramm entsteht eine ärztliche Verantwortung für diese Maßnahmen.

Deshalb ist es richtig, dass der für diesen Teil der Machbarkeitsstudie zuständige Autor ein Untersuchungsprogramm empfohlen hat, um eventuelle gesundheitliche Gefahren auszuschließen.

Ich hatte bereits mitgeteilt, dass die empfohlenen Untersuchungen nicht als kurative Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden können und auch nicht unter die Präventionsmaßnahmen fallen, die eine gesetzl. Kk. gewähren darf.

Die Selbstzahlerkosten belaufen sich auf ca 300 €. Diese sind, worauf noch einzugehen sein wird, bei einer Anwendung von jodhaltiger Sole um eine eingehende Schilddrüsenuntersuchung zu ergänzen, Kosten ca 200 €.

Untersuchung und Ergebnisse benötigen unter günstigen Bedingungen mindestens drei Tage.

 

Für die Erstuntersuchung selbst sind inkl. der Rüstzeiten ca 2-3 Stunden anzusetzen. Nur ein Teil der Untersuchung ist an Assistenzpersonal delegierbar.

Dies ist bei der Planung der Kapazitäten zu berücksichtigen, wenn die Untersuchungen zügig erfolgen sollen, um den Teilnehmer in sein Programm einzuschleusen.

Schon ein Andrang von 10 bis 20 Interessenten in 1-2 Tagen ist von einer Einzelpraxis nicht zu bewältigen, zumal dann nicht, wenn gleichzeitig auch die Versorgung der ansässigen Bevölkerung gewährleistet werden soll.

 

Weil die Gäste sicher nicht allein wegen des Gesundheitsprogramms in Hohwacht sind, sondern auch andere Interessen wahrnehmen werden, wird ein stoßweiser Andrang nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein.

Ob diesen Gegebenheiten personell und räumlich mit wirtschaftlichem Ergebnis Rechnung getragen werden kann , mag Ihrem Urteil überlassen bleiben.

Meine persönliche Prognose lautet: Entweder laufen die Teilnehmer weg, oder der Arzt! gesundheitszentrum-2

Eine spezielle Betrachtung verdient die Anwendung von Sole, die als “Alleinstellungsmerkmal” angedacht ist. Wie zu hören war, orientiert man sich hier an der erfolgreichen  Vermarktung von Sole in Bad Bevensen.

Dazu sei angemerkt, dass sich Bevensen auf zahlreiche Fachärzte unterschiedlicher Fachrichtung  und etliche Kliniken stützen kann.

Da die Indikation für Soleanwendungen eng  zu stellen ist und vorwiegend bestimmte Erkrankungen der Haut – andere wiederum nicht – sowie Erkrankungen der Atemwege betrifft, ist eine spezielle fachärztliche Indikationsstellung anzuraten.

Dies auch noch aus anderen Gründen, die den Jodgehalt und unsere Schilddrüsen betreffen.

Es sind im wesentlichen zwei Störungen der Schilddrüse zu betrachten, die durch Jodexposition verschlimmert werden können.

 Erstens die Hashimoto Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, die schleichend zur Unterfunktion führt. Dieser Vorgang  kann durch übermäßige Jodzufuhr beschleunigt werden. Man findet, wie u.a Scriba ( Doyen der Schilddrüsenforschung ) mitteilt, bei erhöhter Jodexposition einen Anstieg der krankheitsanzeigenden Antikörper, die diese Kausalität nahe legen. Die Häufigkeit der Hashimoto-Thyreoiditis wird mit 1-5 % in der deutschen Bevölkerung beziffert. Die Diagnose wird bei symptomarmen, langsamen Verläufen oft nicht oder sehr spät gestellt ( Dunkelziffer).

Die Krankheit ist jedoch durch vermutete Begleiterkrankungen zunehmend in den Blickpunkt gerückt und wird  auch in gesundheitsbewussten Laienkreisen (LOHAS, also dem avisierten Interessentenkreis für das Gesundheitszentrum) Beachtung finden.

Zweitens ist das autonome Adenom als absoluter Gegengrund für eine über die normale Ernährung hinausgehende zusätzliche Jodexposition zu betrachten. Der sogenannten heiße Knoten wandelt überschüssiges Jod in überschüssiges Schilddrüsenhormon um. Das entstehende Krankheitsbild der Schilddrüsenüberfunktion ist u.U tödlich.

Ursache des autonomen Adenoms sind einerseits Jodmangel, der zur Umwandlung in eine übersteigert jodaffines Gewebe führen kann – insofern ist die Häufigkeit regional unterschiedlich – , andererseits sind genetische Faktoren im Spiel.

 Daraus folgt: Ein Arzt, der eine Anwendung von Sole verordnet, die zu einer erhöhten Aufnahme von Jod führen kann, ist seinem Patienten eine sorgfältige und aufwändige, an spezielle fachärztliche Kenntnisse gebundene Untersuchung der Schilddrüse schuldig.

Unterlässt er diese, kehrt sich im Erkrankungsfall die Beweislast um, eine für jeden Arzt fatale Situation.

 Wie die Klientel für ein Gesundheitsprogramm einschließlich der vorsorglichen Untersuchungen, das doch über mindestens zwei Wochen gehen sollte, im Übrigen aus einem Touristenkreis gewonnen werden soll, der bislang durchschnittlich 4 Tage bleibt, ist unbeantwortet..

 Zusammenfassend komme ich zu dem Schluss, dass mit der Propagierung eines ärztlich gesteuerten Gesundheitszentrums aus wirtschaftlicher Sicht der sichere Weg in eine Rationalitätenfalle eingeschlagen wird.

  Noch Fragen ?

B-Plan 20: Widerspruch von V. Holzheimer, Ltd.Städt.Baudirektor

Volker Holzheimer, Ltd.Städt.Baudirektor
01.06.2017

 

An das
Amt Lütjenburg
-Bauamtz.
Hd. Herrn Holger Heitmann
24321 Lütjenburg

 

Erneute öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes Nr. 20 „Dünenweg“ der Gemeinde Hohwacht

 

Als Hohwacht-Liebhaber- und kenner sowie als jemand, der über langjährige Erfahrungen im Bau- und Planungsrecht verfügt, gestatte ich mir folgende Bedenken zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 20 „Dünenweg“ der Gemeinde Hohwacht vorzubringen:

 

Der Abwägungsprozess gemäß § 1 Abs. 7 BauGB zum in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan Nr. 20 leidet an erheblichen Rechtsmängeln, die zur Nichtigkeit des Bebauungsplanes Nr. 20 führen werden. Dies ist wie folgt begründet:

 

Das Gebot der gerechten Abwägung der öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander gem. § 1 Abs. 7 BauGB verlangt selbstverständlich, dass das Abwägungsergebnis nicht bereits vor Durchführung der Bauleitplanung feststehen darf. Bindet sich eine Gemeinde – etwa in einem Vertrag – im Vorfeld der Bauleitplanung zu einem bestimmten Ergebnis, so führt dies zu einem Abwägungsausfall bzw. zu einem Abwägungsdefizit und macht den Bauleitplan fehlerhaft und die Planung nichtig. So liegt der Fall hier: Die Gemeinde Hohwacht hat sich vertraglich gegenüber einem Investor vor einigen Jahren gebunden, „Filetgrundstücke“ der Gemeinde den Wünschen des Investors entsprechend zu entwickeln. Diese vertraglichen Regelungen machen eine den Rechtsprinzipien des § 1 Abs. 7 verpflichtete gerechte Abwägung unmöglich. Dies haben einige beschlussfassende Gemeinderatsmitglieder öffentlich eingestanden. So kann dem beiliegenden Artikel der Kieler Nachrichten vom 12.05.2016 entnommen werden, dass sich die Gemeindevertreter entgegen ihrer Überzeugung nur wegen der bestehenden vertraglichen Regelungen zur Beschlussfassung zum Bebauungsplan Nr. 20 haben gezwungen gesehen: „Nur mit schwerem Herzen stimmte Wolfgang Lilienthal (CDU) der Auslegung des Bebauungsplanes zu. Er verwies auf einen Vertrag mit dem Investor aus dem Jahre 2004. Dort habe man erhebliche Zugeständnisse gemacht. In einem Rechtsstreit könnten daher Millionenforderungen auf Hohwacht zukommen, wenn man das Projekt blockiere. Ähnlich äußerte sich sein Fraktionskollege Volkmar Thiele. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich heute eine falsche Entscheidung treffe, aber ich stimme mit Ja.“ Es steht somit fest, dass eine sachgerechte Behandlung der berührten öffentlichen und privaten Belange gar nicht mehr erfolgen konnte, da die Gemeindevertreter der Auffassung waren, sie könnten aufgrund der bestehenden vertragliche Regelungen bzw. der möglichen Schadensersatzforderungen nur mit „Ja“ stimmen.

 

Die Aufstellung des Bebauungsplanes leidet an einem Abwägungsmangel- bzw. defizit, der – spätestens in einem Normenkontrollverfahren – zur Nichtigkeit der Planung führen wird. Die Abwägung zum Bebauungsplan Nr. 20 ist komplett neu durchzuführen. Denn die Auffassung der Gemeindevertreter, sie können nur mit „Ja“ stimmen, ist irrig. § 1 Abs. 3 BauGB bestimmt: „Auf die Aufstellung von Bauleitplänen und städtebaulichen Satzungen besteht kein Anspruch.“ Diese bundesgesetzliche Regelung führt nämlich dazu, dass vertragliche Regelungen, die Planungspflichten begründen, grundsätzlich nichtig sind. Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Urteil 4 C 40.77 bereits am 01.02.1980 entschieden, dass ein Anspruch auf Änderung eines Bebauungsplanes (somit auch eine Neuaufstellung) durch Vertrag nicht begründet werden kann.

 

Es wird angeregt, dass die Gemeinde Hohwacht die mit dem Investor im Vorfeld der Planung getroffenen Vereinbarungen (die im Übrigen in der Planbegründung unter Anlass der Planung keinerlei Erwähnung findet) zum Bestandteil der öffentlichen Abwägung macht. Sofern die Gemeinde Hohwacht sich damals vertraglich verpflichtet hat, dem Investor über die Aufstellung eines Bebauungsplanes Baurechte in einer bestimmten Art und Weise zu verschaffen, so ist dieser Vertrag entsprechend der oben angeführten Rechtsprechung des BVerwG nichtig. Die Gemeindevertreter könnten sodann „ohne Zwang ja sagen zu müssen“ unvoreingenommene Beschlüsse im Sinne einer gerechten Abwägung gemäß § 1 Abs. 7 BauGB fassen.

 

Abschließend bleibt zu hoffen, dass die Gemeindevertreter dann Beschlüsse fassen, die eine unwiederbringlichen Zerstörung des Ostseebades Hohwacht, welches als eine der letzten Bäder Schleswig-Holsteins bislang von tragischen Bausünden verschont blieb, dauerhaft entgegenwirken.

 

Mit freundlichen Grüßen

Volker Holzheimer

 

Durchschrift an Kreis-Plön, Kreisplanung

B-Plan 20: Schriftwechsel Beins/Prof. Giencke

Diesem Brief ist ein Schreiben von Herrn Beins an Herrn Prof. Giencke am 31.3.2017 voraus gegangen.

Hier ist die Antwort von Herrn Prof. Giencke:

 

 

Sehr geehrter Herr DI Beims!

  

…..Im Detail möchte ich nicht Stellung nehmen. Das ist aber momentan auch gar nicht notwendig, stört vielleicht sogar die Gesamtschau und das Gesamtempfinden. Die mir vorliegenden Informationen reichen aus.

 

Der Parkplatz:

Lassen Sie mich versuchen, Ihnen mit einem romantischen Hinweis ein Verständnis meiner fachlich fundierten Position abzugewinnen.

Als ich vor mehr als 35 Jahren im Frühherbst von Hamburg nach Norden fuhr, „um die Ostsee zu sehen“, landete ich auf diesem Parkplatz. Es war damals ein schlecht geschotteter Parkplatz unter und zwischen ausgewachsenen Pappeln, dahinter das Meer. Da ich gar nicht wusste wo genau ich war, waren der Parkplatz vor dem Meer, die Eichenallee als Zufahrtsstrasse von der Bundesstrasse und die Bucht, für mich „Hohwacht“. So wurde Hohwacht für meine Familie der Ort an dem wir für die nächsten Jahrzehnte unseren Urlaub verbringen werden, für meine Kinder ein Sehnsuchtsort, für meine Frau und mich ein Ort ohne touristische Sensationen, der keine Ansprüche an uns stellt und trotzdem besonders ist. Wir müssen nichts interpretieren und brauchen nichts zu erfinden.

 

Später hatte der Sturm die Pappeln geköpft. Der Versuch, die Baumstümpfe zu revitalisieren war bemerkenswert. Er gelang nicht und ausreichend Schotter gegen das Grundwasser gibt es bis heute nicht.  

Jedenfalls kann ich mir den Parkplatz nicht schöner vorstellen, als einen Platz mit wassergebundener Wegedecke unter hohen alten Bäumen –der Parkplatz als Landschaftselement.  Einen befestigten Parkplatz mit eingezeichneten Abstellflächen und in Reih und Glied gepflanzten Jungbäumen will ich mir nicht vorstellen! Hohwacht ist zu allererst eine landschaftliche Erfahrung und kein Parkplatz.

 

Bebauung  „Am Dünenweg“:

17,75m sind 6 Geschoße und selbst für Städte mit 100.000 Einwohnern beachtliche Gebäudehöhen.

Die „Landschaft Hohwacht“ ist ein kleines Dorf, im Sommer d.h. 2 Monate lang etwas größer. Mit abgewalmten Dach oder Mansardendach für diese Gebäudehöhen zu argumentiere, geschieht aus keinen ehrlichen Motiven, sondern ist Kalkül abseits der „Landschaft Hohwacht“.

Dabei schließe ich gar nicht aus, dass großartige Architektur auch in Hohwacht geschehen kann, dass ihre Verträglichkeit

nicht an den (richtigen?) Maßstab, die (richtige?) Dachform oder an ein dekoratives Trugbild gebunden sein muss. Es gibt  schlechte Architektur in Hohwacht, es gibt ein bescheidene, in ihrer Grundhaltung sympathische Architektur und es gibt   dauch gute Architektur. Die „Landschaft Hohwacht“ bügelt das alles aus.

 

Grundsätzlich fügt sich in einem lebendigen Ortsbild gute neue Architektur wie selbstverständlich neben gute alte Architektur. Da das selten geschieht sind die Menschen verunsichert, stellen sich gegen alles Neue und wählen das was immer schon da war. Man kann es ihnen nicht verübeln.

Im Fall „Am Dünenweg“ ist es anders. Es geht hier nicht um eine Bebauung, es geht tatsächlich um eine Verbauung –letzten Endes um einen Verlust von Identität.

Die mündigen Bürger von Hohwacht lassen sich nicht erpressen, lehnen sich auf und bestehen zu recht auf einer Wertediskussion.

 

Eine 17,75m hohe Wand schräg und gerade, die die Ostsee aussperrt. Vor der Ostseeküste, unmittelbar hinter der Düne, an der schönsten noch freien Stelle –fast 100m unbebaute Küstenlinie! Der größte Luxus, den ein Ort wie Hohwacht seinen Bewohnern und Besuchern bieten kann! Ganz egal ob kolportiertes Aushängeschild oder Merkzeichen, großartige oder mickrige Architektur, fantastische oder notwendige Unterkunft für vermeintlich wichtige Einrichtungen für das Hohwacht der Zukunft?!

Die „Landschaft Hohwacht“ verträgt dieses Projekt nicht! Da helfen keine Einpassung (in was?), keine Anpassung  (an was?), kein Ortsbildschutz. Es eine Abstimmung im Gemeinderat über die Befindlichkeit seiner Bewohner und Gäste an Hand eines egomanischen Bauprojektes! Das sollte allen Beteiligten klar sein.       

 

Ich konzentrierte mich auf Parkplatz und das Projekt „Am Dünenweg“, weil es als Ankommstation den Besucher am stärksten betrifft und weil ich mich nicht in Alles und Jedes einmischen möchte. Allerdings muss man mit der „Landschaft Hohwacht“ generell sorgfältig umgehen. Sonst wird Hohwacht mit Sicherheit seinen landschaftlichen Reiz verlieren. Dazu zählen neben der Ostsee, vor allem Bucht, Düne, Steilküste, seine Lage am Ende der Eichenallee hinter dem Wald und hinter der bewaldeten Küste, und nicht zuletzt unbefestigte Parkplätze zwischen hohen Bäumen mit Aussicht auf das Meer als Entree.

Wenn Hohwacht seine „Landschaft“ verliert, dann bleibt ein bedeutungsloser Ort an der Ostsee zurück, verwechselbar, neu aber nicht gut und ohne Flair. Kein Ort zu dem man in freudiger Erwartung und mit Begeisterung hinfährt und in dem man selbstbewusst und mit Freude lebt.

Phantasielose, unglaublich fade, landschaftlich zugebaute und architektonisch geschändete Ostseebäder gibt es genug. Ich bitte um Pardon, wenn ich behaupte, dass die Fadesse, die Unwirtlichkeit und Brutalität unserer künstlichen Umgebung auf uns Menschen abfärbt.

 

Wenn ich nicht auf Ihr Schreiben einging, tat ich das nicht aus Respektlosigkeit.

 

Mit freundlichen Grüßen

V. Giencke

 

Univ.Prof.Architekt DI Volker Giencke