NDR 29.8.2016: Strandidylle versus Bauvorhaben

Link zur Sendung:

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Strandidylle-versus-Bauvorhaben-Streit-in-Hohwacht,hohwacht128.html

NDR Kultur 29.8.2016 Hohwacht

von Katharina Ricard
Hohwacht Strandpanorama Fotograf: Katharina Ricard

Idylle an der Ostsee: Der Strand in Hohwacht ist noch nicht überlaufen. Das schätzen Anwohner und Urlauber.

Am Strand von Hohwacht ist die Welt noch in Ordnung: nicht überlaufen, kein Schickimicki, direkter Zugang zum Meer. Hier ist der Sommer noch so, wie er einst war. Saison bedeutet zwar Arbeit, sie ist aber keineswegs hektisch.

In der Gemeinde geht es idyllisch zu, im Dünenwäldchen gibt es ein idyllisches Hüttendorf. Vom Bauboom, der so manchen Ostseestrand verschandelt hat, ist Hohwacht bislang verschont geblieben. Jetzt aber wird befürchtet, dass ein Bauvorhaben hinter dem Dünensaum den besonderen Charme des Ostseebads verändert, wenn nicht gar zerstören wird. Auf dem Strandparkplatz sind vier mehrstöckige Apartmenthäuser mit Mansard-Dach geplant. Darüber hinaus sind im Flächennutzungsplan ein neuer Parkplatz und ein Gesundheitszentrum ausgewiesen.

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/kulturjournal4768-player_image-10a8c041-378f-4b75-b835-6962af6ba69b_theme-ndrde.html

Hohwacht: Bauboom im Ostseeörtchen?

Es gibt einen Bedarf an modernen Ferienwohnungen mit Meerblick.  Und wenn Hohwacht mit den anderen Seebädern mithalten möchte, muss investiert, der kleine Ort weiter entwickelt werden – sagen Bürgermeister und Investor. Und während sich die Gemeinde über das neu entwickelte Konzept freut, fürchten Anwohner und Urlauber, dass sich Hohwacht zu sehr verändern wird.

Hohwachter Hütten-Idylle Fotograf: Katharina Ricard

Die ehemaligen Badehütten inmitten des Dünenwäldchens sind seit Generationen in Familienbesitz.

So, wie auch Christina Dwenger. Wenn die Sonne scheint, setzt sie sich in Hamburg ins Auto und ist in knapp anderthalb Stunden in ihrem kleinen Paradies, einer Hütte im Dünenwald unweit des Bauareals. Dort nutzt sie mit ihrer Familie eine der ehemaligen Badehütten als Tagesdomizil. Die Hütten sind nicht zu mieten sondern seit Generationen in Familienbesitz. „Bisher kommt man die Seestraße runter und man hat einen offenen, weiten Blick auf die Ostsee“, schwärmt Christina Dwenger. „Und da kommt jetzt dieser Riesen-Klotz hin, das heißt also, mein Opening, wenn ich nach Hohwacht reinfahre – ist einfach eine Riesen-Mauer.“

Parkplatz statt Minigolf

Für Investor Carsten Anders sind diese Befürchtungen unbegründet: „Die Häuser haben eine Höhe von 13,50 Meter. Und man kann auch weiterhin von ganz oben noch die Ostsee sehen. Da werden wir für sorgen!“

Und auch der Bürgermeister von Hohwacht, Matthias Potrafky, ist zuversichtlich: „Ein Gebäude oder ein Bau verändert ja nicht den Charakter eines Ortes. Es verändert das Bild. Aber nicht den Charakter und den Charme des Ortes. Der Charme des Ortes entsteht ja unter anderem auch durch die Menschen, die darin wohnen.“

Minigolfplatz-Inhaberin Petra Weber Fotograf: Katharina Ricard

Der Pachtvertrag für die Backfisch-Bude wurde bereits gekündigt. Inhaberin Petra Weber möchte nicht auch noch ihren Minigolfplatz aufgeben.

Doch von dem Bauvorhaben ist ein beliebter Strandimbiss mit angeschlossenem Minigolfplatz betroffen. Da, wo heute noch die alt-eingesessenen Backfisch-Bude steht, soll ein Parkplatz entstehen. Der Pachtvertrag ist bereits gekündigt worden. Nun fürchtet die Imbissbetreiberin Petra Weber auch um den angrenzenden Minigolfplatz, auch wenn das Grundstück ihrer Familie gehört.

Wie viele Minigolfplätze braucht der Ort?

„In den Plänen steht drin, dass eine Minigolfanlage für den Ort ausreicht“, sagt Weber im Interview mit dem Kulturjournal. Und da es bereits eine Anlage in Alt-Hohwacht gebe, fiele ihre Minigolfanlage laut Plan weg. Im Bebauungsplan Nr.20 „Am Dünenweg“ steht: „Die derzeit dort vorhandene Minigolfplatznutzung soll zugunsten öffentlicher Parkplätze aufgegeben werden, da an diesem verkehrlich gut an- und eingebundenen Standort der Parkplatzversorgung ein höheres Gewicht beigemessen wird.“

Bürgermeister Potrafky aber versucht zu beruhigen: „Absicht der Gemeinde ist es, dass wenn das aufgegeben wird, dass es dann als Parkfläche überplant ist.“ Das bedeute nicht, dass der Minigolfplatz zwingend verkauft werden müsse, zumindest nicht, so lange eine Genehmigung dafür vorliegt.

Ihr Gewerbe sei über den Kreis Plön angemeldet, sagt Petra Weber und hofft, dass sie bleiben kann.

Hohwacht und kein zweites Scharbeutz

Susanne Kröger verbringt ihren Urlaub in Hohwacht. Fotograf: Screenshot

Für Susanne Kröger ist Hohwacht etwas Besonderes. Sie kennt und schätzt den Ostseeort noch aus Kindheitstagen.

850 Einwohner hat der Ort Hohwacht. Und laut des Bürgermeisters zählt er bisher zwischen 180.000 und 200.000 Übernachtungen im Jahr. Und diese Zahlen werden sich wohl auch nicht mehr großartig ändern, meint Investor Andres: „So viel Entwicklungspotenzial hat Hohwacht nicht mehr. Also wird sich da auch nicht mehr viel tun. Weder von uns noch vonseiten der Gemeinde noch vonseiten der Bürger hat hier irgendjemand Interesse daran, Hohwacht in ein zweites Scharbeutz zu verwandeln.“

Und trotzdem bleibt die Skepsis. Susanne Kröger verbringt ihren Sommer in der Familien-Badehütte, die ihr Vater vor mehr als 80 Jahren mit eigenen Händen gebaut hat. Als Hohwacht noch Fischerdorf war. Ihr Vater hätte gesagt: „Dat bruk we nich… Ich sage es ähnlich.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s