Wachse und gedeihe! Eine Gemeindeverwaltung spielt Sim City

Anno 1602… Die Siedler… Sim City: Meine Kinder und viele andere, aber auch Erwachsene, haben diese ausgesprochen erfolgreichen Computerspiele gerne gespielt und tun dies auch heute noch. Inhaltlich handelt es sich bei den genannten Spielen  um Handels- und Wirtschaftssimulationen. Ziel ist es, durch geschicktes ökonomisches Agieren einer fiktiven  Bevölkerung  die größtmögliche Zufriedenheit und Prosperität  zu bescheren.

Das sollte doch nicht so schwierig sein, denken sich die meisten. Weit gefehlt! Als gelungene Wirtschaftssimulation muss jeder Spieler bald erkennen, dass ein schlichtes „Viel hilft viel“ oder „Versuch‘ ich mal was anderes“  kein gangbarer Weg ist. Es gilt vielmehr, komplexe ökonomische Zusammenhänge zu berücksichtigen und zur Grundlage seines Handelns zu machen. Aber Achtung! Die zahlreichen Stellräder, an denen gedreht werden kann, greifen  ineinander über und das Verändern  eines einzigen Rädchens  setzt andere unweigerlich in Bewegung, Ausgang offen. Und so verwundert es nicht,  dass gut gemeinte Maßnahmen manchmal das Gegenteil bewirken.

An amerikanischen Schulen hat man das Potential solcher Spiele erkannt. Eine Sonderversion von Sim City kommt  seit Anfang des Monats in  sechsten bis achten Klassen zum Einsatz. Ziel ist es, Schüler spielerisch  an die Bewältigung komplexer Probleme heranzuführen.  Und so heißt es dann auch treffend in der Überschrift des Artikels „Sim City: Städteplanung für US-Schüler: „Früh übt sich das Bürgermeistersein.“ (http://www.chip.de/news/Sim-City-Staedteplanung-fuer-US-Schueler_65169477.html).

Und genau dieser Satz ist es, der mich nun gedanklich nach Hohwacht führt. Was würden wohl die Schüler machen, wenn ihre Aufgabe lautete: Bringt mehr Touristen nach Hohwacht, führt Hohwacht zu wirtschaftlicher Blüte. Würden sie dann fleißig die Bettenzahl aufstocken, in dem Glauben, dass es nun los geht und jedes neue Bett einen neuen Gast bringt?  Sicher nicht! Ich glaube, wir können unseren Jugendlichen getrost mehr Verstand zutrauen!

Schade, dass solche Simulationen nicht schon vor Jahrzehnten Einzug in deutsche Schulen fanden! Denn während in großen Städten ein ganzes Heer von Fachleuten die Geschicke der Stadt lenkt  und um das Bild der Stadt besorgt ist, sind kleine Gemeinden auf Gedeih und Verderb den Eingebungen der jeweiligen Bürgervertreter ausgeliefert. Beängstigend!

sim-city

Verfasser: Gisela Vonnemann

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